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Mittwoch, 2. Dezember 2015

Review: Ugly Kid Joe – Uglier Than They Used Ta Be

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19 Jahre Pause, was für eine lange Zeit. Doch der Kult geht in die zweite Runde. Gerechnet hätte damit wohl kaum noch jemand, aber die Hardrocker UGLY KID JOE  haben mit „UGLIER THAN THEY USED TA BE“ ein neues Album am Start, was im September 2015 veröffentlicht wurde.
Mit insgesamt 11 Tracks (inklusive Bonus Track „Papa was a rolling stone“) geben die 7 Musiker um Whitfield Crane und Klaus Eichstadt richtig Gas. Bemerkenswert ist, dass sie nicht versuchen mit gewagten Experimenten und unpassend übertriebenen Rockeinlagen zu punkten sondern ein solides Rockalbum präsentieren, was die musikalische Reife der nunmehr „erwachsenen “ und bodenständigen Band wiedergibt. So richtig krasse Knaller und Ohrwümer findet man zwar nicht, dafür zeigt sich die Band gewohnt facettenreich und bietet über  Balladen wie „Nothing ever changes“ bis zu harten Rocktönen mit einschlägigen Riffs wie bei „Hell ain’t hard to find“ alles, was ein solides Rockalbum braucht.
Die Songs sind allesamt nicht schlecht, allerdings läuft man Gefahr, abzuschweifen und nicht mehr wirklich zuzuhören, weil alles doch ein wenig vor sich hindudelt und richtige Highlights fehlen. Vielleicht ist UGLY KID JOE aber einfach auch noch ein bisschen eingerostet. Man darf gespannt sein, was noch kommen wird.
Review von Stefanie Kreft

Erschienen: Toughmagazine

Review: Eisbrecher – Schock Live

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Ihre Fans mussten mehr als 10 Jahre auf dieses Musikhighlight warten: Seit dem 25.09.2015 ist er nun im Handel: Der Konzertfilm „SCHOCK Live“ von Eisbrecher.
Eisbrecher schaffen es mit ihrem Album „Schock“ durch stoische Beats, kraftvolle Riffs und purer Härte bis in die Top10 der deutschen Charts. Ebenso erfolgreich war die dazugehörige „Schock“-Tour, die die Band neben Deutschland auch nach Finnland und Russland führte. Und der Erfolg ist absolut verdient, denn die NDH-Band, die sich selbst nie zu ernst nimmt und gesellschaftliche Themen mit viel Wortwitz angenehm verpackt, ist ein echtes Unikat der Szene. Für alle, denen die Musik auf CD allein  nicht ausreicht, die nicht genug von den Liveauftritten der Band bekommen haben und sich ein bisschen Konzertfeeling nach Hause holen möchten, gibt es das Ganze nun auch mit Bild auf einer zweieinhalbstündigen Doppel-DVD. Gedreht wurde exklusiv im Zirkuszelt von Circus Krone in München. Das Bühnenbild bildet ein etwas skuriler, aber Eisbrecher-typischer Industrie-Metallmix, bei dem auch Feuerlöscher natürlich nicht fehlen dürfen, gekoppelt mit einer fantastischen Lightshow. Nach dem Opener „Volle Kraft voraus“ folgt direkt „So oder So“, beide Songs sorgen für einen knallharten schonungslosen Konzertstart, der die Zuschauer mitreißt. Doch auch wenn der musikalische  Hauptaugenmerk natürlich auf dem Album „Schock“ liegt, dürfen Klassiker wie „Willkommen im Nichts“, „Verrückt“  oder „Schwarze Witwe“ nicht fehlen.
Ein bisschen Gothic gibt’s dann bei „This is Deutsch“ und bei „Zwischen uns“ bekommen Eisbrecher Verstärkung von Nina de Lianin, ein echter Hingucker und Ohrenschmaus. Beide harmonieren perfekt auf der Bühne, sowie optisch als auch musikalisch, sodass man sich häufigere Gastauftritte der hübschen Nina wünscht. Zum Schluss gibt es die Megaherz-Klassiker „Miststück“ und „Schlachtbank“ auf die Ohren. Durch das Konzert führt der charismatische Zirkusdirektor und Eisbrecher-Frontmann Alex Wesselsky, ein Profi in Selbstironie und Unterhaltung. Der Mann weiß einfach, wie er das Publikum dazu bringt, an seinen Lippen zu hängen.  Aber auch seine Bandkollegen Noel Pix und Jürgen Plangger (beide Gitarre), Rupert Keplinger (Bass) und Achim Färber (Drums) bieten den Zuschauern eine astreine Bühnenshow mit viel Elan und Vollgas bei jedem einzelnen Song. Während eines Liveauftritts im Konzertsaal liegt die Aufmerksamkeit mehr im Ganzen, dem wilden Publikum, das einen durch die ganze Halle drückt oder wild wackelnden Händen oder Köpfen, die regelmäßig für mit blauen Flecken bedeckte Körper sorgen. Dagegen kann mich sich zu Hause bei der DVD ganz gemütlich auf die Band und das Geschehen auf der Bühne konzentrieren, kann zurückspulen (oder eben auch vor, wenn das „Gelaber“ zu viel wird, wie Frontmann Alex so schön bemerkt) und das ganze Konzert auf eine ganz andere Art genießen.
Neben den 23 Songs enthält der Konzertfilm ebenfalls eine einstündige Tourdoku. Auf Reisen mit Eisbrecher, faszinierend, wie unterhaltsam und spannend die Jungs auch privat sind. Das Material stammt aus der Tourzeit von „Schock“ und beinhaltet neben Backstageaufnahmen auch Einblicke in die Bühnentechnik und vor allem viele Kommentare, witzige Szenen und Wortkämpfe der Bandmitglieder.
Fazit: Imposant, Stark, Schockend! Absolut empfehlenswert. Der einzige Nachteil: Warum kam dieses Musikerlebnis erst jetzt raus?!?
Review von Stefanie Kreft

Erschienen: Toughmagazine

Festivalbericht: Baltic Open Air 2015

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Zum 5. Mal fand das Baltic Open Air am 28. Und 29.08.2015 bereits auf der Freiheit in Schleswig statt, mit dabei Größen wie Eisbrecher, Schandmaul oder Uriah Heep. Dass das Festival aber mindestens von Flensburg bis Hamburg bereits seit Monaten in aller Munde war, hatte aber einen ganz anderen Grund: Mit Bekanntgabe des Veranstalters Daniel Spinlers im Februar 2015, dass die Band Frei.Wild als Headliner auf der Bühne stehen werde, entbrannten hitzige Diskussionen sowie unzählige Protestwellen, die bis zum Festivalende nicht enden wollten. Das Festival selbst verlief dagegen völlig ruhig und ohne böse Zwischenfälle. Auf 2 Bühnen präsentierten sich Bands unterschiedlichster Genres, freitags mit dem Opener Kärbholz, über Fiddler’s Green, der grandiosen Rammstein Tribute Band Völkerball bis zu Mittelalter-Folk mit Schandmaul oder Kevin Russell mit seiner Band Veritas Maximus, wobei Völkerball mit „heißem“ Flammenauftritt sowie Growdsurfing im Schlauchboot für die meisten das Highlight des Tages gewesen sein müsste.

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Am Samstag gab es neben den Kultbands Lautstark und Extrabreit die schwedische Heavy-Metal-Band Mustasch und die Rock-Urgesteine Uriah Heep. Im Vergleich zum Vortag konnte man allerdings sehr schnell sehen, auf wen die Besucher am meisten warteten. Von 3 Festivalbesuchern trugen im Durchschnitt 2 T-Shirts von Frei.Wild und so war es auch kein Wunder, dass es vor dem Auftritt der Band besonders kuschelig vor der Bühne wurde. Kurzzeitig unterbrochen werden musste der Auftritt von Frei.Wild, als die Bühne heftig Feuer fing, ausgelöst durch ein defektes Ventil einer Druckleitung der Pyrotechnik. Die Band musste sicherheitshalber die Bühne verlassen und die Zuschauer wichen vor den hohen Flammen zurück. Verletzt wurde aber niemand und die Security bekam das Feuer schnell in Griff. „Dann spielen wir jetzt einfach schneller“, war der Kommentar von Frontsänger Philipp Burger über die verlorene Zeit. Den Abschluss auf der Bühne bildeten die Power-Metal-Band Powerwolf vor Eisbrecher, die mit ihrer Musik noch einmal das Festivalgelände zum Beben brachte.

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Wer den besonderen Kick suchte, konnte seinen Mut bei einem Bungeesprung beweisen und sich kopfüber direkt auf das Festivalgelände stürzen. Hier konnte man aus 65 m Höhe ins Leere springen und das Festival von einer ganz anderen, sehr luftigen Seite, genießen. Insgesamt war das Rahmenprogramm sehr gelungen: Neben einem urigen Mittelaltermarkt und zahlreichen Imbissbuden war auch die Wacken Foundation vor Ort, die mittels Glücksrad Spenden sammelte, die Newcomer-Metalbands zugutekommen. Verbesserungsfähig sind beim Baltic Open Air nur einige Punkte der Infrastruktur.

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Die Anfahrt dauerte am Donnerstag Stunden, was wohl vor allem mit den starken Regenfällen der vorherigen Tage und damit verbunden mit unbefahrbaren Campingplätzen zu tun hatte. Viele Besucher haben keinen Campingplatz bekommen und mussten am Straßenrand im Auto übernachten. Gleichzeitig katastrophal war die Eingangskontrolle am Donnerstag, die ebenfalls Ewigkeiten dauerte. Waren diese Hürden aber erst einmal überwunden, war das Baltic Open Air ein voller Erfolg. Und weil es so schön war, startete direkt im Anschluss an das Festival auch bereits der Vorverkauf für 2016 mit Spezialpreis und exklusivem T-Shirt. Ob so wirklich die Wikinger rocken würden, wie es in der Festival-Werbung so schön heißt, ist fraglich. Aber ein empfehlenswertes Rockfestival ist das Baltic Open Air auf jeden Fall.

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Komplettes Line-Up
Freitag
Main Stage
  • Kärbholz
  • Fiddler’s Green
  • Völkerball
  • Schandmaul
  • Kevin Russell mit Veritas Maximvs
Sea Stage
  • Immortal Sin
  • Motorjesus
  • Up To You
Samstag
Main Stage
  • Mustasch
  • Uriah Heep
  • Frei.Wild
  • Powerwolf
  • Eisbrecher
Sea Stage
  • Loudstark
  • Extrabreit
  • Dystopolis
  • Crucified Barbara
Festivalbericht von Stefanie Kreft
Erschienen: Toughmagazine
Fotos: Hier lang

Freitag, 14. August 2015

Baltic Open Air 2015




Baltic Open Air 2015


Rocken wie die Wikinger… beim Baltic Open Air am letzten Augustwochende in Schleswig, der ältesten Wikingerstadt Europas. Nicht nur für Nordlichter ein MUSS! Am 28./29.08.2015 erwartet euch neben rustikalem Rock- und Metalmarkt ein hammer geiles Line Up, sehr deutschrocklastig und trotzdem internatianal und breit gefächert:


Eisbrecher
Frei.Wild
Uriah Heep
Kevin Russell mit Veritas Maximvs
Schandmaul
Powerwolf
Extrabreit
Fiddlers Green
Mustasch
Kärbholz
Völkerball
Motorjesus
Crucified Barbara<
Loudstark
UpToYou
Dystopolis
Immortal Sin


Ok, Camping-Fans finden sicher auch ein schickes Plätzchen, wobei es bei dem Aufgebot an erstklassiger Rockmusik wohl kaum Zeit für eine Verschnaufpause geben wird.


Tickets: www.baltic-open-air.de/shop


http://toughmagazine.de/festivals/vorbericht-baltic-open-air-2015/



Tune Circus – The Sound Of Breaking Waves




Die Rockszene schreit immer nach Musik, die alles, nur nicht massentauglich ist und sich von allem, was der Mainstream hört, abgrenzt. Genau das tun Tune Circus nicht. Ausgezeichnet mit dem Deutschen Rock&Pop Preis für das erste Album „Perpetual Music Machine“, fühlen die 4 Alternative-Rocker auch mit ihrem zweiten Album „The Sound of Breaking Waves“ eben nicht dem typischen Alternative-Hörer auf den Zahn. Dennoch: Ich kannte Tune Circus bisher nicht (wohl, weil ich selten auf allgemein empfangbaren TV-Musik-Sendern und Radiosendern zappe) und ich finde, sie sind meine persönliche Neuentdeckung des Jahres. Auch auf die Gefahr hin, dass mir die Songs schnell zum Hals heraus hängen, wenn ich sie zu oft aus sämtlichen Lautsprechern vorbeifahrender Autos höre, ich mag den Sound.


Warum nur dieser einsame Mensch auf dem Titel, der negative Gefühle wie Einsamkeit und Trauer assoziert? Mit einem schlichten Cover in schwarzweiß und einem Titel, der auf den Sound brechender Wellen hinweist, kann man zunächst wenig erahnen, welcher Sound sich tatsächlich auf dem Album verbirgt. Denn die Songs klingen absolut nicht nach Naturgewalt, sondern viel mehr nach einer seichten Briese am Meer und sanft auslaufenden Wellen am Strand. Nicht unverwechselbar, aber sehr abwechslungsreich präsentieren uns die Ludwigsburger 10 neue Songs. Die Band legt sich auf keinen konkreten Stil fest: ein bisschen Indie, ein bisschen Rock, ein wenig Punk und eine Handvoll Pop: genug Material also, um unterschiedlichste Stimmungen und Botschaften in die Musik zu legen. Ein Manko ist allerdings die kurze Laufzeit von nur einer halben Stunde. Durch den durchgehend harmonischen Klang ohne musikalischer Ausreißer kommt das Ende nämlich ziemlich abrupt. Wünschenswert finde ich deshalb, ein paar kleine Höhepunkte in die einzelnen Songs einzubauen oder vielleicht doch in dem ein oder anderen Song mal „etwas zu wagen“. Generell aber eine Band, von der ich gern mehr hören möchte.


Review von Stefanie Kreft


http://toughmagazine.de/cd-reviews/tune-circus-the-sound-of-breaking-waves/

Desission – Ein Teil von uns (Review)


http://www.desission.de/

Am 09.07.2015 – pünktlich zur GOND – brachten Desission ihre neue EP „Ein Teil von uns“ auf den Markt. Mit sympathischem, bayerischen Dialekt zeigen uns die 5 Deutschrocker aus Hof (Oberfranken), was sie derzeit bewegt. Der erste Song ist hierbei eine Ode an Pornosternchen und Astra-Werbeikone Lexy Roxx im gleichnamigen Song. Das Mädel mit den feuerroten Haaren hat die Jungs von Desission scheinbar schwer beeindruckt. Leider mussten sie den Videodreh zum Song mit Lexy als Hauptdarstellerin leider vorerst auf Eis legen, weil die Kohle über ein Crowdfunding-Projekt nicht komplett zusammenkam. Auf die Umsetzung darf man aber sehr gespannt sein. Der 2. Song„Falsche Zeit“ ist ein sehr trauriger und nachdenklicher Song zum Thema Sterben. Ein bisschen hektisch dann der Übergang zum 3. Song „Nummern & Zahlen“, hier hat mir ein klitzekleines Intro gefehlt. Zum Schluss der 4. Song „Hab keine Angst“ – vor dem Abschied nehmen. Eine EP in gutem, gewohntenDesission Sound, mit einfachen Texten und rockiger musikalischer Umsetzung. Wir freuen uns auf das neue Album, was für 2016 geplant ist.


Review von Stefanie Kreft

http://toughmagazine.de/cd-reviews/desission-ein-teil-von-uns/

Dr. Mark Benecke: Der Kriminalbiologe im Interview


Mark Beneckes Leben ist facettenreicher als ein Insektenauge. Er ist nicht nur seit mehr als 20 Jahren Kriminalbiologe und Autor zahlreicher wissenschaftlicher Texte und Bücher für Jung und Alt, sondern auch Mitglied der Kölner Donaldisten, Präsident von Pro Tattoo, Musiker, politisch angagiert, Vegetarier und vieles mehr.


Hallo Mark. Wo erwische ich dich denn gerade?
Mark: Ich bin heute bei der Todesermittler-Tagung in Bremen und esse nun gerade ein Eis.


Ok. Dann legen wir mal los. Wissenschaftler verstecken sich ja oft in Ihren Laboren oder hinter ihren Büchern. Du bist viel unterwegs und gibst Kurse und Seminare, teilst dein Wissen mit der Allgemeinheit, mit interessierten „Laien“ und deine Vorträge sind immer sehr gut besucht. Hast du überhaupt noch Zeit für die wissenschaftliche Arbeit im Büro?
Mark: Ich bin ja nicht die ganze Zeit mit Vorträgen beschäftigt. Es gibt auch Fälle, da sitzt man mal 2 Tage nur im Labor und wurschtelt rum. Oder wenn ich einen wissenschaftlichen Artikel schreibe, dann sitze ich auch stundenlang rum und wälze meine Bücher. Meine Arbeit ist immer ineinander verschachtelt und findet alles gleichzeitig statt. Tina, meine Kollegin, sitzt meistens in Köln im Labor und organisiert alles so, dass alles ineinander verschachtelbar ist.


Sind in deinem Publikum denn viele Schaulustige, die eigentlich mehr auf den Gruselfaktor setzen als auf die Arbeit, die du machst und die Erkenntnisse, die du vermittelst?
Mark: Ich weiß nicht, vielleicht kommen manchmal Schaulustige. Aber die kommen garantiert nicht wieder, weil ich ja alles erkläre und das wird denen dann zu langweilig. Also die Leute, die meine Vorträge besuchen, sind immer sehr interessiert, die stellen Fragen, die auch für mich sehr interessant sind.


Wie schaffst du das, alles unter einen Hut zu bringen?
Mark: Das ist eine Frage von Effizienz. Ich arbeite eben mehr. Wir haben kein Wochenende, wir arbeiten 12 Stunden am Tag, da schafft man einfach mehr.


Deine Bücher haben trotz ihrer Sachlichkeit nicht den Charakter langweiliger Sachbücher sondern eher „True Crime“. Welche Motivation hattest du, Bücher zu schreiben?
Mark: Fiction könnte ich überhaupt nicht machen. Ich hab da überhaupt kein Gespür für. Erfinden könnte ich nichts. Es ist eher so, dass ich bei Dingen, die in der Wirklichkeit passieren, sehe, was daran spannend ist. Die Idee, Bücher zu schreiben, entstand daraus, dass ich mal für einen Verlag ein Lexikon für Forscher und Erfinder geschrieben habe. Das hat mir richtig Spaß gemacht, weil es da noch kein Internet gab und ich mir noch alles aus alten Lexika heraussuchen musste. Und dann sollte ich irgendwann für einen anderen Verlag ein kleines Heft über Kriminalbiologie schreiben. So hat sich das langsam entwickelt. Also eher nachfragegesteuert, weil die Verlage auf mich zukamen.





(© Rocksau Pictures)


Wenn du dich bei der Biologenarbeit oder auch Autorenarbeit hauptsächlich nach der Nachfrage richtest, gibt es denn auch etwas, was du für dich selbst machst? Wo du nicht einfach „nur“ reagierst? Welche Arbeit machst du denn am liebsten?
Mark: Was ich richtig gerne mache und deshalb auch so ein bisschen für mich mache, ist alles, was mit lachender Wissenschaft zu tun hat. Zum Beispiel habe ich ja jeden Samstag und jetzt auch fast jeden Sonntag eine kleine Wissenschaftssendung und wenn ich die Möglichkeit hätte, würde ich wahrscheinlich nur noch so was machen. Also echte wissenschaftliche Ergebnisse, die sich zwar lustig anhören, wo man aber was von lernen kann. Wobei das nicht heißt, dass ich auf die andere Arbeit keinen Bock habe. Ich mach das ja trotzdem gern. Die Leute fragen mich Sachen, die ich spannend finde. Also ist die Arbeit keine unangenehme, notwendige „Pflicht“ für mich. Die Mischung macht’s. Wie bei einem guten Salat, da ist ja auch viel mehr als nur eine Zutat drin.


Das Buch „Aus die Dunkelkammer des Bösen“ hast du zusammen mit der Kriminalpsychologin Lydia Benecke geschrieben. Hier geht es hauptsächlich um die Psyche des Menschen bzw. psychische Störungen, die man bei Serienkillern usw. beobachtet hat. Beeinflusst dein Wissen über „das tiefste Innere dieser Straftäter“ deine objektive Sicht als Kriminalbiologe bei der Aufklärung eines Falls?
Mark: Nein, inhaltlich nicht. Meine Arbeit wird dadurch aber effizienter und spannender. Stell dir vor, du besitzt eine Autowerkstatt. Anstatt einfach an jedem Auto, das reinkommt, ein bisschen rum zu basteln, ist es doch viel besser, als Werkstatt-Besitzer viele Fortbildungen in vielen Bereichen zu machen. Also für eine Skoda-Werkstatt ist es ja auch nicht verkehrt, sich mit der Technik von Mercedes-Benz auszukennen, oder? So ist das bei mir auch. Meine Perspektive ändert sich dadurch nicht. Ich bin nach wie vor der Experte für Spuren, aber ich kann z. B. besser mit den Tätern umgehen. Wenn zum Beispiel jemand antisozial ist, dann lügt der auch ständig. Da bringt es wenig, dem ins Gewissen zu reden, weil das bei dem sowieso nicht ankommt. Oder bei der Frage, ob ein Täter in die Psychiatrie oder in den Knast kommen soll. Selbst, wenn es rein rechtlich ganz egal ist, wo der Täter eingesperrt ist, macht es ja einen Unterschied, ob ein Täter in die Psychiatrie kommt und dort nach einer Therapie geheilt entlassen wird oder er im Knast seine Strafe absitzt und danach wieder straffällig wird. Deshalb ist es immer wichtig, einen Fall aus vielen Perspektiven anzuschauen, aus juristischer, psychiatrischer, Spuren sichernder Sicht usw. Einfach, damit wir so arbeiten, dass die anderen Beteiligten – Opfer, Täter, Gericht usw. – etwas praktisch Brauchbares davon haben und wir nicht einfach nur Insektenbeine sortieren, die keiner braucht.


Ist denn ein neues Buchprojekt in Planung?
Aktuell gab es eine Anfrage von einem Verlag. Eventuell eine Art Biografie. Nicht so sehr an Kriminalfällen festgemacht, sondern mit den allgemeinen Sachen, die man sonst nicht so erzählt. Vielleicht darüber, wie es ist, wenn man seit 25 Jahren quer durch die Welt gurkt und irgendwelche verrückten Aufträge annimmt, die sonst keiner machen will. Aber das ist nur eine Überlegung bisher.


Hast du einen Lieblingsfall?
Mark: Nein, die Fälle sind alle absolut gleich wichtig.


Ich würde gern mehr über dich persönlich erfahren. Was zum Beispiel: Was nimmst du mit, wenn du für 6 Monate auf eine einsame Insel ohne Strom, Internet, Handy usw. fahren würdest?
Mark: Also, wenn da Sonne wäre, würde ich da nicht hinfahren. Ich mag keine Sonne.


Ok, Alternative…nehmen wir eine Reise in den „Underground“!
Mark: Auf jeden Fall was zu Lesen, ein Swiss Tool [Eine Art Schweizer Taschenmesser mit Zange, Anmerkung der Redaktion] und natürlich eine Taschenlampe.





Dieses Bild ist bei den Mumien von Palermo aufgenommen (© www.benecke.com)


Du bist Donaldist. Was kann ich mir darunter vorstellen?
Mark: Die D. O. N. A. L. D. ist die „Deutsche Organisation der nichtkommerziellen Anhänger des lauteren Donaldismus“. Wir erforschen ungeklärte Fragen, die in Entenhausen auftreten. Es gibt eine Art Kanon, also eine geschlossene Anzahl von Geschichten, und daraus muss man dann alles ableiten. Bei Entenhausen besteht der Kanon ausschließlich aus der Übersetzung von Erika Fuchs und nur den Zeichnungen, die Carl Barks gemacht hat. Ein Kollege hat zum Beispiel mal erforscht, welche Stromspannung es in Entenhausen gibt. In den Berichten ist die Zahl nicht enthalten, also muss man das aus Bildern ableiten, wo man eben sieht, wie die Leitungen verlegt sind usw. Seit 1-2 Jahren ist auch der Stadtplan von Entenhausen fertig, wo alle Geldspeicher, Häuser, alle Straßen und erwähnten Stadtpläne, die in Entenhausen an der Wand hängen, über viele Jahre hinweg zu einem großen Stadtplan zusammengefasst wurden.


Und ich hab gedacht, es wäre eine spezielle Art von Cosplay oder die Entenhausenform eines Mittelalterfestes. Das ist mir ja peinlich.
Mark: Nichts gegen Cosplay, ich habe sogar ein Sailor-Moon T-Shirt. Wir Donaldisten lesen alle gern die Barks-Fuchs-Geschichten und die meisten von uns sind halt alle an objektiver Forschung interessiert. So ergibt sich das dann. Wie jeden andere Forschung halt auch, sind es alles Spezialisten, die sich mit Spezialthemen beschäftigen.


Welche Themen erforscht du denn?
Mark: Forschung mache ich in der D.O.N.A.L.D. nicht direkt. Also ich habe zwei Themen. Zuerst eine sehr lange Interview-Serie, bei der ich Leute interviewe, die noch nicht komplett donaldisiert sind, die zwar die Motive kennen, aber nicht wissen, dass man das auch wissenschaftlich untersuchen kann. Und das Zweite ist, dass ich gern aufzeige, wie man bestimmte Bereiche verknüpfen kann. Zum Beispiel Donald hat ja so viele verschiedene Tätigkeiten, wie ich ja auch. In Entenhausen ist ein wichtiges Thema der soziale Aufstieg und ich zeige, wie man das auf donaldistische Art verwirklichen kann trotz Donalds permanenten grandiosen Scheiterns.


Uns als Rockmagazin interessiert natürlich sehr, welche Musik du hörst?
Mark: Manchmal höre ich aus dem Gitarrenbereich Doom Metal im Stream, aber das läuft wirklich nur so neben her. Wirklich auskennen mit den Songs und Interpreten tu ich mich nicht. Mein Credo lautet ja, bei gekaufter Gitarren-Musik erlaube ich nur die von Rammstein. Ansonsten höre ich eigentlich keine Gitarrenmusik, sondern fast nur elektronische Musik.





© Arek Goniwiecha / www.arek-photography.com


Ist Doom Metal nicht total düster? Ich finde, das hat immer was von Begräbnisstimmung? Zieht dich das nicht runter?
Mark: Nee, eigentlich nicht. Ich hab ja eh nur mit Sachen zu tun, die andere Leute eher komisch finden. Für mich ist das kein Problem. Also erstens, lenken mich die Texte und Melodien nicht ab, wenn das im Hintergrund läuft, während ich arbeite. Das könnte ich z. B. nicht bei so super abgefahrener Psychedelic Trance. Langsames Trance / Goa kann ich aber auch ganz gut im Stream hören. Bei Doom Metal mag ich auch die geilen Klangteppiche ganz gern. Das kannste auch 10 Stunden am Stück hören ohne dass du dich so genau darauf konzentrieren musst. Das ist einfach genau die „Schwingung“, auf der ich eh arbeite, so ne flächige, eher in die Breite gehende Stimmung.


Du machst auch selbst Musik?
Mark: Nicht wirklich. „Die Blonden Burschen“-Sache ist ja schon lange Geschichte [Anmerkung der Redaktion: Von 1989 bis 2000 gehörte Mark Benecke unter dem Künstlernamen Belcanto Bene der Schlager-Punk Band „Die Blonden Burschen“ an]. Ab und zu trete ich mal in Videos auf. Mit Sara Noxx mache ich ab und zu mal was zusammen. In den Song growle ich dann, oder ich spreche den Text einfach, wo dann von nem Musikproduzenten der Hall umgedreht wird. Ich würde das jetzt aber nicht Musikmachen nennen. Ich mache nur mit.


Hast du einen Herzenswunsch?
Mark: Also, was ich richtig gern machen würde und auch für super notwendig halte ist ein Konzept aus den USA, wo ich das auch gelernt habe, das nennt sich „forensic nursing“, also Krankenschwestern und -pfleger anlernen, wie man Spuren bei Sexualdelikten sichert. Das wäre eigentlich nicht viel Arbeit, aber das Konzept existiert hier bei uns einfach nicht.


Also Spurensicherung, bevor die Polizei oder eben du eintriffst, damit die Spuren bis dahin nicht verschwunden, verwischt oder wie auch immer, sind?
Mark: Ja richtig. Ganz genau.


Und warum gibt’s das nicht in Deutschland?
Mark: Das liegt daran, dass das hier in Deutschland eine Krankenschwester- bzw. ein Krankenpfleger nicht so einfach machen darf. Das ist nicht erlaubt. Hier müsste man Geld reinstecken, Kongresse machen damit die Leute darauf aufmerksam machen und dann würde man das sicher auch in 5-10 Jahren mit der entsprechenden Ausbildung problemlos ins Rollen kriegen. Aber hier fehlen einfach die Zuständigkeiten leider, weil jeder die Verantwortung auf andere schiebt oder es gerne selbst machen möchte, Rechtsmediziner, Polizei, Politiker, Biologe.. Und so geht das dann immer im Kreis. Für die Opfer ist aber nur interessant, ob es sehr schnell, sehr professionell und sehr menschlich gemacht wird – je niederschwelliger, desto besser.


Von meiner Seite war es das. Schade, dass unsere Zeit schon um ist. Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, denn es war wirklich sehr spannend und interessant, etwas von dir und deiner Arbeit zu erfahren. Möchtest du unseren Lesern noch etwas mit auf den Weg geben? Die letzten Worte gehören dir.
Mark: Ich danke dir auch. Ja, also: Sonne meiden und keine bunten Klamotten tragen (lacht).


Interview von Stefanie Kreft im Juni 2014


Header-Foto: Annie Betram – www.photoart.anniebertram.com


Fotos: Arek Photography / www.benecke.com / Rocksau Pictures


http://toughmagazine.de/interviews/dr-mark-benecke-der-kriminalbiologe-im-interview/

Vorbericht: Wacken 2015

Ihr habt für den 30.07 – 01.08.2015 noch keinen Urlaub eingereicht? Das solltet ihr (am besten auch für die komplette Woche nach diesem Metal-Wochenende), denn dann steigt das legendäre Wacken Open Air, das laut Veranstalter größte Metalfestival weltweit und größte Open Air Festival Deutschlands.



Line Up:

Alkbottle , Amorphis , Anaal Nathrakh , Ancient Bards , Angra , Annihilator , Architects Of Chaos, Armored Saint, Asrock, At The Gates , Avatar , Baltic Sea Child , Bembers, Beyond The Black, Biohazard, Black Label Society, Blood Red Throne, Bloodbath, Breakdown of Sanity, Butcher Babies, Cannibal Corpse, Combichrist , Cradle Of Filth, Crossplane, Cryptopsy, Danko Jones, Dark Tranquility, Deadiron, Death Angel, Dream Theater, Ensiferum, Epica, Europe, Exumer Falconer Godsized Grailknights Haudegen Ill Nino In Extremo In Flames John Diva Judas Priest Kärbholz Kataklysm Khold Kommando Kvelertak Lord Of The Lost M.O.D. Mantar Metaprism Morgoth Mushroomhead My Dying Bride New Model Army Noctiferia Nuclear Assault Obituary Oomph! Opeth Powerwolf Queensryche Rob Zombie Rock Meets Claissic Running Wild (einzige Show 2015 weltweit) Sabaton Samael Savatage Sepultura Shining Skiltron Skindred Stoneman Stratovarius Subway To Sally Suicide Silence Tears For Beers The Answer The Black Spiders The BossHoss The Gentle Storm The Quireboys Thyrfing Trans-Siberian Orchestra (Exclusive European Show) Truckfighters U.D.O. with Bundeswehr Musikkorps Uli Jon Roth Waltari, Within Temptation, Zodiac 

Homepage/Tickets/Infos:



Vorbericht: Wacken 2014


Was 1990 mit ca. 800 Metalheads begann ist heute mit 80.000 Besuchern s zu dem größten Heavy-Metal-Fest der Welt und somit zu einer echten Festival-Legende geworden! Das W:O:A feiert dieses Jahr sein 25 jähriges Jubiläum und knackt alle Rekorde. Bereits zum 9. Mal in Folge ist das W:O:Aausverkauft und ab Start des Ticketverkaufs dauerte es dieses Mal keine 48 Stunden, bis die Ticketverkäufer SOLD OUT meldeten. Wahnsinn!

Schade, dass Gerüchte über einen würdigen Headliner Nachfolger sich bisher nicht bestätigt haben. Denn was würden wir dafür geben, zum 25. Jubiläum größen wie Metallica, Linkin‘ Park oder AC/DCauf der Bühne rocken zu erleben. Dennoch kann sich die Billing 2014 durchaus sehen lassen.

Besonders nostalgisch: 5TH AVENUE und SKYLINE, die Bands der ersten Stunde, feiern 25 Jahre nach ihrem Ersten Auftritt beim 1. W:O:A überhaupt zusammen mit allen Metalheads dieses Großereignis.

Auf den beiden gigantischen Hauptbühnen, der True Metal State und der Black Matel Stage wird mit HAMMERFALL, SAXON, ENDSTILLE, MOTÖRHEAD, SLAYER, RUSSKAJA, SALTATIO MORTIS, SODOM, ICED EARTH, AVANTASIA, SCHANDMAUL so richtig gerockt! Außerdem gibt es neben der W.E.T. Stage und der Headbanger Stage natürlich auch wieder die Biergarden Stage, die Party Stage und die Wackinger Stage auf denen zahlreiche nationale und internationale Bands auftreten. Die berühmten Fireshows dürfen natürlich auch in diesem Jahr in dem Wackinger Village nicht fehlen und auch sonst hat das W:O:A noch vieles mehr zu bieten, wie zum Beispiel der riesiege Metal Market oder die zahlreichen Merch Stände, wo man alles findet, was das Metal Herz begehrt. Für etwas Comedy sorgt BÜLENT CEYLAN, der schon in den vergangenen Jahren die Menge zum lachen gebracht hat. Ob er auch in diesem Jahr wieder sein Gummiboot zum Crows surfen dabei hat?

Ebenfalls ein absolutes Muss: Ein Spaziergang über die Camping-Grounds. Hier kann man die lustigsten Bierdosen-Panzertape-Skulpturen, kreativsten Zeltaufbauten und Autoverzierungen entdecken und taucht ein in eine Welt fern ab vom Alltag, wenn aus allen Ecken und Autos die Party weitergeht, nachdem auf den Bühnen des Festivals das Licht ausgeht und unter Gleichgesinnten morgens schon die erste Dose Bier geöffnet wird.

Tipp: Wer sich me(n)tal schon einmal auf das gigantische Festival einstellen will, schaut sich den Wacken-3D-Kinofilm an, der ab 24.07.2014 in den Kinos anläuft.

In diesem Sinne: See you in Wacken – Rain or Shine!

Schreibt uns doch in die Kommentare, auf welche Band ihr euch am meisten freut oder welche Band ihr dieses Jahr auf der Billing vermisst.

Bericht von Stefanie Kreft




Festivalbericht: Wacken 2014




Wacken 2014 ist vorbei. Und während ich noch nicht einmal vollständig die unzähligen Bierduschen und Staubwolken aus den Haaren gewaschen habe, ist das Festival für 2015 bereits ausverkauft. Spricht für sich, oder? Aber was macht das W:O:A so begehrt, dass man sich schon während des Festivals unbedingt Karten für das nächste Mal sichern will? Der diesjährige Headliner war es nicht, denn den gab es nicht so richtig. Jedenfalls fehlten allseits bekannte Namen auf dem Line-Up, wie z. B. in den Vorjahren Rammstein oder Alice Cooper. Aber ganz ehrlich: WAYNE interessiert’s. Wacken ist Kult und zwar von Anfang bis Ende.

Sobald man durch die Bändchenkontrolle gekommen ist, fühlt man sich wie Alice im Metal-Wonderland. Fernab der Realität (den Mobilfunk ist nicht unbedingt die einfachste Kommunikationsmöglichkeit, wenn das Netz 80.000 Festivalbesucher gleichzeitig halten muss) taucht man ein in eine Welt in der Metal und Rock das Einzige sind, was zählen. Neben Mainstream-Acts wieHeino und Santiano waren die diesjährigen musikalischen Höhepunkte selbstverständlich die Metal-Gurus Slayer, oder die Auftritte von Megadeth, Emperor, Kreator und Hatebreed. Und eine Entschädigung für den vorzeitig beendeten Auftritt aus 2013 gab es Freitag Abend bereits für die Motörhead-Fans, denn Lemmy wirkte deutlich fitter als letztes Jahr und so war auch der Bandauftritt in diesem Jahr deutlich länger. Besonders anstrengend für meine Lachmuskeln war der legendäre Auftritt von Bülent Ceylan, der nebenbei auch noch bewiesen hat, dass er gesanglich durchaus mit den restlichen Metalbands mithalten kann. Ok, mir als Rockfan hätte es selbstverständlich ganz gut gefallen, wenn auch das Rockgenre mehr bedient worden wäre, aber so wurde 2014 zu einem klassischen „Back to the Roots“. Metal und Harte Klänge, wohin das Ohr reichte. Dazu hatten wir, wie auch schon letztes Jahr, hammer geiles Wetter, also was will man mehr?

Rain or Shine! Das W:O:A ist ein absolutes MUSS!

Bericht von Stefanie Kreft


 

 


 


 




 


 

Böhse Ostern 2014 (17.04.2014 – Lübeck, Rider’s Cafe)


Tourauftakt am 17.04.2014 im Rider’s Cafe Lübeck Bereits bei der Ankunft fühlte ich mich zu Hause inmitten der Rockergemeinde. Auf den Parkplätzen vor dem Rider’s Cafe in Lübeck saßen mehrere Grüppchen gemütlich zusammen, hörten die Songs der Kneipenterroristen, die auch am Abend live auf der Bühne auf sie warteten, stimmten ihre Lieblingssongs ein und waren gut gelaunt. Auch das Rider’s selbst ist für ein Rockkonzert mehr als nur geeignet. Die Tanzfläche bietet ausreichend Platz für einen ordentlichen Pogo, die Theken sind gut erreichbar, die dunkle, rauchige Atmosphäre ist perfekt als Einstimmung für das bevorstehende Konzert und der fehlende Bühnengraben sorgt dafür, dass das Publikum hautnah die Band erleben kann. (nur für mich als kleine Fotografin wird das manchmal schwierig, wenn ich nicht vorhabe mit meiner Cam in den Pogo zu geraten)Zusätzlich kann man sich an einem großen Merchstand in einem separaten Raum, mit allem eindecken, was das Herz begehrt. T-Shirts und Accessoires zu fairen Preisen und die beiden Bands vor und nach ihren Auftritten gleich mit dazu. :)Ich gebe zu, als kleiner Fan der deutschsprachigen Punkrockmusik habe ich mich besonders auf die Vorband des Abends gefreut. Die Drunken Swallows sind im „Sturzflug durch die Republik“, stürzen damit aber nicht ab, sondern gehen steil bergauf. Das Publikum, klar in der Kneipenterroristen-Fan-Überzahl, ist zunächst verhalten und in den hinteren Ecken des Rider’s Cafe zu finden. Doch kaum starten Fränk, Pit, Rowy und Phil mit ihren energiegeladenen Rocksounds, kochte die Stimmung und der Pogo war in vollem Gange. Die Jungs präsentierten Songs ihres Albums „Bis ans Ende unserer Tage“ und hatten auch 2 neue Songs für das Publikum parat. Besonders freut mich, dass Sänger Fränk sich mit seiner markanten Stimme durch die fantastische Setlist gröhlte und man bei den Drunken Swallows kein Politgemotze findet sondern feiern kann zu lustigen oder provozierenden Texten aus dem Alltag. Highlight war ein Heiratsantrag, den Fränk angeleiert hatte. Nachdem die Songauswahl des Abends umgestellt wurde, weil ein Zuschauer seiner Liebsten einen Heiratsantrag machen wollte, dieser aber nicht auftauchte, hat „Showmaster“ Fränk kurzerhand zwei befreundete Mädels dazu motiviert, diesen Part zu übernehmen. Passend zu dieser witzigen Aktion gaben die 4 Schwalben danach ihren Song „Lieber widerlich, als wieder nich“ zum besten. Von mir aus hätte die Band ewig weiterspielen können. Nach diesem genialen Auftakt und einer kurzen Umbauphase (in den Pausen wurde übrigens ganz stilecht Musik derKneipenterroristen gespielt) war die Bühne nun frei für die Band, auf die alle gewartet haben: DieKneipenterroristen gaben in neuem metallastigen Stil ihre Songs zum Besten. Die Songauswahl lag natürlich besonders auf dem neuesten Werk „Lebenslang“, dass am 25.April 2014 erhältlich ist. Doch auch ältere, von den Fans heißgeliebte Songs, wurden mit Enthusiasmus zum Besten gegeben. Das der Stilwechsel von der Coverband hin zur eigenständigen Band „Kneipenterroristen“ gelungen ist, merkt man an dem Publikum, was bereits beim ersten Gitarrensound von Martin, total durchdrehte. Hier spürt man die Fantreue des Publikums, immerhin sind dieKneipenterroristen bereits seit mehr als 15 Jahren auf den Rockbühnen Deutschlands unterwegs. Alles in allem also war der Abend eine sehr gelungene, energiegeladene und unterhaltsame Punk’n’Roll-Show, oder besser gesagt eine riesige Party, die die Bands zusammen mit dem Publikum feierten. Konzertbericht von Stefanie Kreft http://toughmagazine.de/konzertberichte/boehse-ostern-2014-17-04-2014-luebeck-riders-cafe/


 

 

 

 

 

 

Hassliebe: Die Rockband im Interview


Am 01.02.2014 war die Band Hassliebe zu Gast in St.Pauli – dort spielten sie ein Konzert im Rock Café! Redakteurin Stefanie traf die Musiker kurz vor ihrem Auftritt und konnte ihnen einige Fragen stellen!
Hey Leute. Stellt euch unseren Lesern doch bitte kurz vor!
Kurt: Ich bin Songwriter, Gitarrist und Backroundsänger der Band. Ich bin seit der Gründung 2005 dabei. 2011 hat unser Sänger und Bassist Daniel die Band verlassen. Danach gab es leider eine zweijährige Pause, bevor wir 2013 in neuer Besetzung und mit dem Album „Sklave der Neuzeit“ wieder durchgestartet sind.
 
Matze: Ohne Zweifel steht und fällt mit Kurt die Band. Ohne ihn wären wir nicht HASSLIEBE, weil er für die Band die Songs schreibt und der kreative Kopf der Band ist. Ich bin seit 2013 Sänger der Band und kümmer’ mich ausserdem um das Management.
 
Mac: Und ich bin Bassist und unser Medienbeauftragter.
 
Matze: Zu uns gehören auch Flo, unser Schlagzeuger, sowie Mane, unser musikalisches Allroundtalent. Nachdem Flo in die Band kam, ist Mane vom Schlagzeug zum Keyboard gewechselt. Er ist echt genial, ich glaube, er kann einfach jedes Instrument spielen.
 
Was bedeutet für euch der Name HASSLIEBE?
Kurt: Gegensätze wie Hass und Liebe ziehen sich an und gehören zum Leben einfach dazu. Das Eine kann ohne das Andere nicht existieren. Unsere Songs beschäftigen sich mit unseren Erfahrungen und Empfindungen, deshalb passt der Name zu uns.
 
Mac: Genau. Wir beobachten die Menschen um uns herum und uns selbst. In unseren Songs verarbeiten wir unsere Erfahrungen.
 
Jan Jaedike von Rock Hard bezeichnet euch auf eurer Homepage als „Ausnahmeband“ inmitten der vielen Rock-Bands. Was unterscheidet  euch von der immer größer werdenden Zahl deutschsprachiger Rockbands?
Matze: Wir beschäftigen uns mit der Beziehung der Menschen untereinander und sind sehr gesellschaftskritisch. Aber wir distanzieren uns von jeglicher politischer Richtung und wir schreiben auch keine Sauflieder, so wie einige andere Rockbands. Wir wollen nicht in eine politische Ecke gedrängt werden.
 
Kurt: Richtig. Deutsche Rockmusik wird immer gleich in Links oder Rechts eingeteilt. Wir wollen anders sein.
 
Matze: Unsere Musik entsteht durch die unterschiedlichsten Einflüsse unserer musikalischen Vorlieben. Wir sind alle individuell und jeder gibt ein bisschen von sich selbst dazu. So entsteht dann ein gemeinsames Ganzes. Wir sind so unterschiedlich, dass wir gar keine Band sein dürften, aber gerade deshalb funktioniert es so gut zwischen uns. Wir wollen nichts kopieren, sondern unsere eigene Musik machen.
 
Mac: So macht die Summe des Ganzen das Ergebnis. Wir lieben das Riff, nicht dieses schlechte Geschramme. Es geht uns nur um die Musik selbst.
 

Bei euch gab es einen Mitgliederwechsel. Euer Sänger Daniel verließ die Band und Matthias und Dany sind neu in die Band gekommen. Hat sich dadurch etwas in eurer Musik geändert?
Matt: Natürlich. Wir sind auf der Bühne jetzt viel präsenter. Dadurch, dass wir mehr Instrumente spielen können, spürt man einfach mehr Dynamik und Energie. Und ich als Sänger kann mich ganz auf den Gesang konzentrieren. Da ich kein Instrument spiele, hab ich einfach mehr Freiheiten. 
 
Kurt: Früher haben wir auch bayrische Texte auf der Bühne gesungen. Das würde heute gar nicht mehr passen. Stellt euch mal unseren Mac vor, wie er bayrisch singt.
 
Euer aktuelles Album heißt „Sklave der Neuzeit“. Gebt uns einen kleinen Einblick in eure Songs!
Kurt: Das Album sollte eigentlich schon 2011 erscheinen und war schon komplett mit Daniel eingesungen. Nach dem Wechsel in der Band haben wir das Album mit allen Mitgliedern und Instrumenten noch einmal neu aufgenommen. Wir hatten ja bereits davor das Album „Niemandsland“ herausgebracht. Daher war „Sklave der Neuzeit“ wie ein Neubeginn. Die Texte sprudeln einfach so aus mir heraus. Wir wissen zum Beispiel nie genau, was am Ende aus einem Song wird. So sind Songs, die als Balladen gedacht waren, am Ende vielleicht doch eine schnelle Rocknummer.
 
Matze: Das Konzept steht manchmal erst, wenn der Song komplett fertig ist, wie zum Beispiel bei „Wann ist der Mensch ein Mensch“. Mein Lieblingssong auf der Platte ist „Vom Anfang bis zum Schluss“ oder „Sklave der Neuzeit“, zu dem wir auch ein Musikvideo gedreht haben. Außerdem zählt „Einbildung“ auch zu den Songs, die mich persönlich berühren!
 
Mac: Wir haben einen richtig genialen Produzenten, Jon Caffrey, der immer verrückte Ideen hat und jedes Video bis ins kleinste Detail plant. So macht der Dreh verdammt viel Spaß. Und die Musikvideos sind zum großen Teil von Filmen inspiriert, die heute gar keiner mehr schaut.
 
Matze: Wir haben schon oft gehört, unser Video zu „Sklave der Neuzeit“ sei „komisch“. Damit haben wir genau das erreicht, was wir erreichen wollten. Musikvideos, die aus Livemitschnitten bestehen, gibt es ständig. Wir wollten eine Story erzählen. Das Video soll zum Nachdenken anregen und nicht nur unseren Bühnenauftritt zeigen. Es ist ein episches Werk.
 
Mac: Nach dem Motto: Lass das Herz sprechen…
 
Kurt: Unsere Balladen sind inspiriert von amerikanischen Bands und Wolkenmaschine befasst sich mit dem Einsatz von Kernkraftwerken. Der Song ist übrigens entstanden, kurz bevor es 2011 zu der Katastrophe in Fukushima kam. 


Ihr wart letztes Jahr zusammen mit Inextremo auf Deutschlandtour, dieses Jahr gehts direkt weiter. Immer auf Achse also. Hab ihr Heimweh?
Kurt und Mac: NEIN! Eher Fernweh. Wir sind total gern unterwegs. Es ist genial, neue Menschen und Städte kennenzulernen.
 
Mac: Du kommst in irgendeine Stadt und überall kennst du jemanden. Da fühlt man sich sofort wohl und fast wie zu Hause.
 
Matt: Ich bin auch total gern auf Tour, auch wenn ich meine Familie dann schon ein bisschen vermisse. Aber man kommt ja auch immer wieder nach Hause zurück. Wir leben für die Musik und lernen gern immer wieder neue Leute kennen.
 
Wie sind eure weiteren Pläne?
Kurt: Unser Hauptaugenmerk liegt auf unserer neuen Platte, die so schnell wie möglich erscheinen soll. Etwas wird es aber noch dauern, weil wir gerade noch auf Clubtour sind. Aber ich kann euch versprechen: Es wird der Hammer!
 
Matt: Außerdem würden wir gern auf einigen Festivals dieses Jahr spielen. Es gibt auch schon Pläne, aber noch nichts Konkretes.
 
Was erwartet uns gleich bei eurem Auftritt?
Kurt: Wir spielen einen Mix aus den Songs beider Platten, von Balladen bis Metal oder Punkrock. Wir spielen, weil uns die Musik Spaß macht, egal, ob im Club nun 15 oder 5000  Leute unseren Auftritt erleben. Also genießt einfach den Abend und feiert mit uns.
 
Danke für das Interview! Habt ihr noch ein paar letzte Worte für uns?
Matt: Freut euch auf das, was noch kommt!
 
Mac: Es lohnt sich auf jeden Fall, mal bei uns reinzuhören.
 
Interview von Stefanie Kreft im Februar 2014


Hassliebe (01.02.2014 – St.Pauli, Rock Café)


Sie leben für die Musik und ihre Musik lebt durch sie. Das ist es, was HassLiebe ausmacht. Hassliebe, das sind Matze (Gesang), Kurt (Songwriter und Gitarre), Flo (Schlagzeug), Mac (Bass) und Mane (Keyboard). Ihre Songs handeln von ihren persönlichen Erfahrungen und Empfindungen, sie teilen sich über ihre Musik mit. Sauflieder und politische Inhalte wird man hier nicht finden. Schon vor ihrem Auftritt am 01.02.2014 in Rock Cafe St. Pauli in Hamburg konnte ich die Jungs beim Interview (Hier geht es zum Interview) kennenlernen. Die 5 wirken total authentisch und wie eine große Familie. Überhaupt nicht abgehoben, präsentieren sie sich so, wie sie sind. Ein bunter Haufen total unterschiedlicher Charaktere, deren Musikgeschmack nicht unterschiedlicher sein könnte. „Wir dürften eigentlich gar keine Band sein“, so Matze im Interview. Aber „die Summe des einzelnen macht das Ergebnis“, beendet Mac den Satz. Und das zeigt sich auch auf der Bühne. Das Rock Cafe St. Pauli ist ein urgemütlicher kleiner Rockladen, mit einladender Theke, genug Platz zum Abrocken und einer Bühne, auf der man die Bands hautnah erleben kann. Mein erster Gedanke war, oh oh, wie finden 5 Männer auf einer doch recht „überschaulichen“ Bühne Platz und haben dann auch noch genug Raum um richtig abzugehen… Denkste! Die Bühnenshow von HassLiebe war genial. Wer da noch still sitzen bleiben kann, muss blind und taub sein. So viel Dynamik, so viel Energie und das konstant während des kompletten Auftritts! Wahnsinn! Die Setlist war ein sehr gut gewählter Mix aus den Alben „Niemandsland“ und „Sklave der Neuzeit“, sowohl Balladen als auch derben Rock- und Metalsounds. Schon während des Intros und der ersten Songs „Sklave der Neuzeit“ und „Wo bist du“ war die energiegeladene Dynamik deutlich im Rock Cafe zu spüren und schon zog es die ersten begeisterten Rockfans zum Abrocken auf die Tanzfläche. Gefolgt von Songknallern wie „Hört ihr mich“, „Perfekt“ oder „Deine Zeit“ gab es für das zunächst eher ruhige Publikum schon nach kurzer Zeit kein Halten mehr. Es wurde mitgesungen, getanzt und gefeiert. Und immer wieder wurde deutlich, dass die Band durch ihre Fans lebendig wird. Das Publikum wurde aktiv mit in den Ablauf mit einbezogen und als Matze sich zum Crowdsurfen bereit macht, brannte die Hütte. Man spürt deutlich, wie sehr die Band ihre Fans lieben. Und ganz getreu dem Motto -Das Beste kommt zum Schluss- gab es nach dem letzten Song des Abends „Schwarzer Engel“ noch eine fette Zugabe mit den genialen Songs „Mut“, „Warum“, „Vom Anfang bis zum Schluss“ und der Wiederholung von „Schwarzer Engel“. Ein Wahnsinnserlebnis! Fazit: Wer mehr möchte, als stumpfe Beats und inhaltslose Texte, dem kann ich HassLiebe wirklich empfehlen. 
 Konzertbericht von Stefanie Kreft